GANT REPORTAGE

Mit Liebe gebacken


  • Die in Boston ansässige Bäckerin Joanne Chang backt mit viel Leidenschaft – und ganz vielen guten Zutaten.


    Man trifft nicht viele Bäcker, die einen Abschluss von einer US-Eliteuniversität haben. Das macht Joanne Chang zu einer Seltenheit in ihrem Gewerbe. Sie schloss das Studium der angewandten Mathematik und Wirtschaftswissenschaften an der Harvard University ab und begann eine Karriere in einer Unternehmensberatung. Schnell merkte sie jedoch, dass das nichts für sie ist. Sie beschloss, ihr Hobby zum Beruf zu machen: Kochen.



    Sie nahm sich eine einjährige Auszeit und fand eine Anstellung bei einem der besten Köche Bostons – und dann bei einem anderen. Sie war sich sicher, dass die Küche der richtige Ort für sie war – und das Leben als Selbstständige genau das, was sie wollte. Heute besitzt und managt sie Flour Bakery + Café, in dessen acht Filialen man Changs Neuinterpretationen von klassischen amerikanischen Köstlichkeiten genießen kann. Außerdem eröffnete sie das moderne panasiatische Restaurant Myers + Chang. Viel Freizeit bleibt da nicht, doch sie veröffentlichte nebenbei noch fünf Kochbücher. Das neueste, Pastry Love, All of My Favorite Recipes, erscheint noch dieses Jahr.


    Was sind Ihre frühesten Erinnerungen, die mit Essen zu tun haben?

    Ich kann mich daran erinnern, wie ich mit zwei oder drei Jahren auf dem Schoß meiner Großmutter saß, während sie Weintrauben für mich schälte. Ich mochte die Haut nicht, also schälte sie jede einzelne Traube für mich.

    Wie haben Sie das Konzept für Flour entwickelt?
    Ich arbeitete in Bäckereien und Restaurants in Boston und New York City und wollte einen Ort schaffen, der den Menschen ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. So fühle ich mich, wenn ich eine tolle Bäckerei betrete. Unsere Gäste sollen unsere Bäckerei glücklicher verlassen, als sie beim Hereinkommen waren – das ist unser Ziel.

    Können Sie drei Dinge nennen, die Hobbybäcker tun können, um besser zu werden?
    Eine Küchenwaage kaufen, den Ofen kalibrieren und auf die Temperatur der
    verschiedenen Zutaten achten. Es macht einen Unterschied, ob Butter, Eier und Flüssigkeiten kalt, warm oder raumtemperiert sind.



    Inwiefern werden Sie von den kulinarischen Traditionen von Boston und Neuengland beeinflusst?

    Unsere Obstsaison ist kurz und die kalte Jahreszeit sehr lang. Wir lieben es, Gebäck mit Äpfeln, Birnen, Gewürzen, Ahornsirup und Nüssen anzubieten – das ist typisch für Neuengland. Natürlich kann man jede Zutat jederzeit bekommen – aber die Leute wollen im Dezember keine Desserts mit Pfirsich oder Erdbeeren essen.

    Sind Kohlenhydrate der Feind?
    Überhaupt nicht! Alles, was wir in großen Mengen zu uns nehmen, ist nicht gut für uns – ob Zucker, Kohlenhydrate oder Sellerie. Das Stichwort ist Mäßigung. Essen Sie Kohlenhydrate, essen Sie Proteine, essen Sie Fett, Früchte und Gemüse! Unser Körper braucht Vielfalt!

    TEXT
    Andrew Sessa



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