GANT REPORTAGE

IM GEMÜSEHIMMEL


  • New Yorker Dachterrassen sind die neuen Anbaugebiete.
    Das „Urban Farming“ produziert frische Nahrungsmittel für die Anwohner und Restaurants der Stadt.


    „Sky Farming“ klingt vielleicht ein bisschen nach Science-Fiction, aber die Betreiber dieser Dachgärten sind moderne Pioniere,
    die Dachterrassen in kleine Gemüseäcker verwandeln – mithilfe von umweltfreundlicher Technik.


    Gotham Greens ist eines der erfolgreichsten Sky-Farming-Startups. Es wurde 2009 in Brooklyn gegründet und besitzt Gewächshäuser auf Dachterrassen in Greenpoint, Gowanus und Queens in New York sowie einen Standort in Chicago. Ihr 1400 Quadratmeter großes Flagship-Gewächshaus befindet sich auf einer Lagerhalle und produziert jährlich 100 Tonnen an pestizidfreiem Gemüse – hauptsächlich Basilikum und Salat – für lokale Restaurants und Geschäfte. 
    Wir treffen Mitbegründer und CEO Viraj Puri im Gewächshaus in Gowanus, das sich über einem Whole Foods Supermarkt befindet. Wir treten ein und fühlen uns, als würden wir ein Spa betreten. Das Licht ist gedämpft und die Luft ist frisch, feucht, warm und duftet nach frischem Basilikum. Einer der Mitarbeiter erzählt uns: „Seit ich hier arbeite, war ich noch nicht einmal krank.“


    Also, Viraj – wie funktioniert das?
    Die Gewächshäuser wurden mit ökologischen und nachhaltigen Methoden erbaut und werden mit 55-Kilowatt-Solarzellen betrieben. Das hydroponische System benötigt im Vergleich zu einem Bauernhof ein Zwanzigstel der Fläche und ein Zehntel des Wassers. Wir können frisches Gemüse direkt vom Feld auf die Esstische in Manhattan bringen – innerhalb von weniger als 24 Stunden nach der Ernte. Abgesehen von den ökologischen Vorteilen, schmecken die Produkte dadurch auch besser und halten länger, was wiederum Abfall vermeidet.

    Hast du auch schon probiert, etwas anderes außer Salat und Basilikum anzubauen?
    Ja, wir haben es mit Tomaten probiert und sie haben wirklich gut und süß geschmeckt. Da die Nachfrage nach Salat und Basilikum jedoch so groß ist und sie so leicht und effizient anzubauen sind, konzentrieren wir uns erst einmal darauf. Theoretisch kann man jedoch alles anbauen – Avocados, Reis, Zitronen. Ich bin mir jedoch nicht sicher, wie profitabel das wäre.


    Wieso importieren wir dann noch immer Gemüse aus weit entfernten Ländern?

    Ich denke, dass sich diese Art des Gemüseanbaus überall auf der Welt durchsetzen wird. Die Technik ist allerdings hochmodern und noch recht teuer, also wird sie sich noch etablieren müssen. Zum Glück gibt es viele Leute, die Wert auf lokale Produkte legen. Die Herausforderung – besonders in New York – ist, dass verfügbare Immobilien teuer und schwer zu finden sind. Wir haben lange nach dem richtigen Ort gesucht, bis wir entschieden, dass Dachterrassen der einfachste und effizienteste Ort für diesen Zweck sind.

    Würde dieses Projekt auch an einem anderen Ort funktionieren?
    Ja, sogar während des dunklen skandinavischen Winters! Wir können 365 Tage im Jahr ernten – unabhängig vom Wetter oder dem Klima.


    Text: Sofie Zettergren


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